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Vertical for Zander

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VERTICAL FOR ZANDER – ein Gespräch mit den „Verticalfanatics“.

(aufgenommen von Pitt für www.jerkbait.pl)

Willkommen bei www.jerkbait.pl. Fürs Erste möchte ich mich (in Namen von allen unseren Usern) für die genommene Zeit bedanken. Wir freuen uns auf Eure Antworten zu unseren Fragen. Wie ich Euch schon in voraus erklärt habe, die vertikale Köderpräsentation ist in Polen verboten (ausser beim Eisangeln) und weitgehend unbekannt. Daher ist es um so mehr spannend diese Angeltechnik kennen zulernen. OK, lasst mal hören.

 

Jigga:

Hallo Pitt, die Zeit nehmen wir uns doch gerne!

 

Minden:

 Schöne Grüße nach Polen und Hallo an die User hier…Vorab möchte ich zum Thema sagen, Vertikalangeln ist eine von vielen Methoden, es ist demnach nicht DIE ultimative Methode bei der einen die Fische ins Boot springen, dennoch eine Angelart die auf jeden Fall ihre ganz besonderen Reize und auch Vorteile gegenüber anderen Methoden hat. Es macht unheimlich Spass mit dem Boot zu driften, zu fischen und dann mit ein wenig Glück einen knallharten Biss zu bekommen, der einen fast die Rute aus der Hand haut, denn das kommt ab und an vor bei pimpeln. Wenn man einmal vertikal geangelt hat und dabei fängt, wird mit Sicherheit auch vom Virus infiziert werden, die Bisse sind einfach saugeil direkt  (:

 

Dennis:

Als ich vor 3 Jahren das erste Mal vertikal angeln war, hätte ich mir nie träumen lassen, dass es eine so effektive Möglichkeit gibt, Zander zu fangen. Meine Erfahrungen davor bestanden aus dem Ansitzangeln mit Köderfisch. Hier wurde stationär über eine Nacht oder einen längeren Zeitraum, 2 Köderfische angeboten. Ergebnisse von 1-2 Zandern waren super. Das vertikal Angeln stellte meine Erfahrung mit dem schwer fangbaren Zander komplett auf den Kopf. Das faszinierende daran ist der direkte Weg zum Fisch. Oft trennen einen nur wenige Meter zum Köder und die Bisse kommen so direkt und Hammerhart an das es einen erschüttert.

 

Christoph:

Hallo Pitt, als überzeugter Raubfischangler kam ich mit den ersten Bootserfahrungen zum Vertikalangeln auf Zander. Davor fing ich meine Räuber vom Ufer am deutschen Rhein, wo ich auch meinen bis jetzt größte Zander von 98 cm fing. Auch wenn ich das Vertikalangeln nur noch sporadisch betreibe, hoffe ich, dass ich Dir und Euren Usern paar Fragen beantworten kann.

 

Zuerst einige Fragen zu der Ausrüstung. Was muss, oder sollte, ein Angler haben um erfolgreich vertikalen zu können? Echolot? Boot? Elektromotor? Unterwasserkamera? All dies?  

Jigga:

Also, am wichtigsten ist natürlich ein Boot um vertikal den Zandern nachstellen zu können. Weiter ist ein Echolot zur Tiefenbestimmung und zur Wassertemperaturanzeige und ein Elektromotor von Vorteil. Ohne geht es zwar auch, nur sind grade neue Gewässer schwerer zu befischen wenn man ohne Lot unterwegs ist.

 

Minden:

Um seinen Köder vertikal anzubieten ist vorab ein Boot nicht fehl am Platze und stellt folglich die Basis dar. Um wirklich erfolgreich zu pimpeln sollte man neben einem Boot auch einen Außenborder haben um auch die Stellen schnell wechseln zu können, denn oft muss man die Fische suchen, d.h. wo gestern noch Fisch stand, kann morgen gar nix mehr gehen.

Um passende Stellen zu finden (Kanten, Löcher, allg. Unregelmäßigkeiten in der Gewässerstruktur) ist ein Echolot mehr als nur hilfreich und beschleunigt das Finden markanter Stellen und somit der Fische ungemein. Das Echolot ist sozusagen unsere Unterwasserkamera. Um diese Stellen dann vernünftig und gezielt befischen zu können, sollte man auch einen Elektromotor an Board haben. Man braucht übrigens nicht gleich eine Tracker, Alumacraft, Sylvan mit 90PS Außenborder, Elektromotor mit Autopilot, 15“ Farbecholot und, und, und … dies sind zwar alles schöne Sachen, aber ein kleines einfaches Boot, ein einfaches Echolot um Strukturen zu finden und einen Elektromotor mit Pinne reichen auch aus um erfolgreich an den Fisch zu kommen. Hightech kann zwar Erleichtern, allerdings sind Fähigkeiten die man sich nicht erkaufen kann, wie bspw. Gewässerkenntnis- zum Glück wesentlich wichtiger. Allerdings sollte das Boot schon dem Gewässer entsprechen, das Thema Sicherheit ist beim Bootsangeln ein sehr wichtiger Punkt!

 

Dennis:

Ein Boot mit Elektromotor und Echolot, bei großen Gewässern bestenfalls mit GPS sehr hilfreich beim vertikal fischen um Kanten schnell zu finden und auch im Neben nicht die Orientierung zu verlieren. Tackle was verwendet wird sind kurze, harte Ruten, eine Rolle die alles in Balance hält mit einer feinen Bremse. Klassische No-Action Köder fangen hier ebenso wie Action Köder.

 

Christoph:

Je mehr Equipment der Angler zu Verfügung hat, desto besser kann er auf die Gegebenheiten reagieren. Er sollte nur nicht vor lauter Spielzeug das Angeln nicht vernachlässigen. Zum Vertikalen vom Boot benötigt man ein motorisiertes Boot, E-Motor, Echolot, GPS und/oder Markierungsbojen und natürlich eine Angel! Unterwasserkamera ist nicht notwendig.

 

Die Elektronik und das Vertikalen scheinen unzertrennlich zu sein, aber nicht jeder Angler nützt das Echolot, Unterwasserkamera usw. gleichermassen. Wie sieht es bei Euch aus?

 

Jigga:

 Ich benutze ein altes Humminbird Lot. Die Tiefenangabe ist dort in Metern angeben, kleinste Einheit ist 1 Meter, Tiefenänderungen werden nur in ganzen Metern angezeigt. Das ist zwar sehr wenig Information die ich dem Lot entnehmen kann, allerdings reicht es für meine Zwecke aus. Ich suche auf dem Lot keine Fische, lediglich Löcher, Kanten und Rinnen vorwiegend in Flüssen in den Buhnen, zur kälteren Jahreszeit auch mal in Seen.

Minden:

 Auf mein Gewässer bezogen, was im Vergleich zu anderen Gewässern die ich bis jetzt befischt habe ein eher spärliches Fischaufkommen hat, benutze ich das Lot eher um Strukturen zu finden. Klar, motivieren Sicheln ungemein dort zu fischen (was ich dann auch mache), aber weiss man auch nicht immer, sind die Sicheln nun Zander, Barsche, Rotaugen, Brassen oder, oder, oder, und wenn Fische da sind, heisst es auch noch nicht zwingend, dass sie beissen. Oft genug habe ich es erlebt, das ich gefangen habe, auch wenn keine Sichel zu sehen war, und oft genug habe ich nicht gefangen, wenn viele Sicheln gutes Vermuten ließen…nichts desto trotz gibt es natürlich auch die Situation, da sieht man Sicheln und fängt.

 

Dennis:

Um in neuen Gewässern schnell Fuß zu fassen ist ein Echolot sehr hilfreich und nicht mehr vom Boot zu denken. Man spart enorm an Zeit beim suchen von Hot Spots und das ist Zeit die man hinterher mehr angeln kann. An uns bekannten Spots ist der Blick aufs Echolot nur noch zweitranig, man kennt die Strukturen und Hindernisse Unterwasser, hinzu kommt, dass man mit dem Köder sehr gut nachvollziehen kann wo man sich gerade befindet. Hier gucken wir nur auf das Echolot sollten wir uns mal nicht sicher sein.

 

Christoph:

 Echolot ist sehr wichtig, um Kanten, Tiefen, Löcher und Fische zu lokalisieren. Auch die Dichte des Bodens gibt Ausschlüsse über die Standorte von Räubern.

 

Wie stellt Ihr das Echolot ein? Welche Werte und Anzeigen sind wirklich wichtig?

 

Jigga:

Wie gesagt, mein Echolot bietet kaum Variationsmöglichkeiten. Die reine Meterangabe und Wassertemperatur reichen mir völlig aus.

 

Minden:

Da bin ich bis jetzt eher der faule Typ, da ich in meinem Gewässer eh nicht wirklich nach Sicheln fische da fast alles Einzelfische sind, stelle ich mein Lot einfach immer so ein, dass ich Sicheln erkennen kann und immer nur geringe Anzahl an Störungen durch Strömung sichtbar sind. Welche Werte mir wichtig sind: Temperatur, Tiefe und Bodenstruktur.

 

Dennis:

Die Greyline ist wohl das wichtigste Merkmal auf dem Echolot. Man sollte sein Echolot so einstellen das ein optimales Bild der Greyline zu erkennen ist. Das ist deshalb so wichtig, da der Zander harten Untergrund bevorzugt. Mit der passenden Einstellung der Greyline kann man den Boden sehr schnell in seiner Festigkeit unterscheiden. Im Winter kann die Temperaturanzeige sehr wichtig sein, denn oft ist es in einem Gewässer nicht gleich warm/kalt. Minimale Abweichungen der Temperatur können uns verraten wo sich die Zander gerade aufhalten. Im Sommer dagegen kann man mit Hilfe des Echolotes die Sprungschicht sehen. Stellt man die Empfindlichkeit höher ein so kann man einen leichten Schleier erkennen, dies stellt im Sommer die Sprungschicht dar. Aber Vorsicht, dies geht nicht mit allen Echoloten.

 

Christoph:

Was das angeht bin ich sehr faul. Die Automatikeinstellung der Lowrance LMS Geräte reicht mir, um alles Wichtige zu erkennen.

 

Vertikalangeln ist eine feine Angeltechnik. Keine Frage ... da stellt sich aber eine andere ... Frage der Tackle. Welche Ruten und Rollen fischt Ihr? Warum ausgerechnet diese?

Jigga:

 Ich fische eine 1,80 m lange Vertikalrute von Rozemeijer „Vertical Jigging“ mit einem Wurfgewicht bis zu 22 Gramm. Die Rute bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und lässt sich bis Tiefen von ca. 10 Metern gut fischen. Bei einer Vertikalrute kommt es mir auf eine schnelle Aktion und sensible Spitze an um auch die vorsichtigen Anfasser mitzubekommen. Die Rolle beim Vertikalen ist zweitrangig. Eine gute, fein einstellbare Bremse sollte sie haben um ruckfrei Schnur frei zu geben. Im Sommer sind Fangtiefen um die 2 m an der Tagesordnung. Mit so wenig Schur im Wasser muss die Bremse gut arbeiten um den Fisch nicht zu verlieren.

 

Minden:

 Also so fein ist die Technik gar nicht wie ich finde. Es gibt viele Leute die sagen „fisch möglichst fein bzw. leicht“,  was z.B. die Köpfe angeht. Ich nehme je nach Gewässer meist 21 – 30 Gramm Köpfe, demnach fische ich zurzeit auch immer eine relativ harte Rute mit Spitzenaktion, die Henk Simonz Titan. Sie ist 180 cm lang und hat 15 – 30 Gramm „Wurfgewicht“,  was auch gut hinkommt. Vertikalruten sollten zwischen 180 cm und 200 cm lang und vor allem gut ausbalanciert sein um auch lange angenehm fischen zu können.

Ob die Rute nun eine Spitzen- oder eher eine parabolische Aktion hat ist meiner Meinung nach Geschmacks- und Übungssache. Ich selber nehme aber lieber harte Ruten, da ich auch fast immer schwer fische. Als Rolle habe ich eine einfache 1000-er Shimano mit 6-4 kg Stroft GTP montiert. Damit ist die Rute sehr gut in Balance und die Rolle reicht mir allemal aus. Das wichtigste ist eh die Bremse und da gibt es genügend Rollen auch im günstigen Preissegment wo das passt.

 

Dennis:

 Ich fische das ganze Jahr über mit der Godfather eXtremeI. Mit dieser Rute habe ich sowohl im seichten Wasser, wie in tiefen bis 10 m den besten Köderkontakt. Gefischt habe ich bereits mehrere Ruten wie z.B. Rozemeijer, oder von Henk Simonsz, die Godfather ist die Rute mit der ich von Anfang an am besten klargekommen bin. Als Rolle verwende ich eine Red Arc 10100 von Spro. Die Rollen sind in meinen Augen beim vertikal fischen nur zweitrangig. Wichtig ist nur eine sehr gut zu justierende Bremse, die bei den sehr dünnen und feinen Schnüren die verwendet werden, passend abgestimmt werden kann.

 

Christoph:

Das Vertikalangeln sieht sehr langweilig und leicht aus, dennoch ist sehr anstrengend den Köder zu dirigieren, daher sollte die Ausrüstung sehr leicht und kraftvoll sein. Ich bevorzuge schnelle Ruten, wie die SPRO Goodfather, dazu eine gute 1000er oder 2500er Shimano Rolle. Als Schnur nutze ich entweder eine Tuf Line XP mit 10 lb oder eine Stroft mit 4 kg Tragkraft. Dünne Schnüre sind notwendig, um den Wasserdruck auf der Schnur zu minimieren. Zwischen den Köder und der Schnur immer ein Hechtsicheres Vorfach, 1x7 Stahl oder Titanium.

 

Welche Kriterien die entscheidenden sind, wenn es um die Auswahl des richtigen Spots zum Vertikalangeln geht?

 

Jigga:

Im Prinzip suche ich mir im Fluss Buhnenfelder, Schiffswerften, Seemündungen, Hafeneinfahrten, Spundwände und andere Ecken aus, die normale Struktur des Gewässers brechen. An den Strömungskanten und in den Löchern dieser Spots beginne ich mit dem vertikalen von der Abdruckkante an, und lasse mich mit der Strömung über den Spot treiben, und verzögere die Drift etwas mit dem E-Motor. Erfolgt ein Anbiss halte ich das Boot kreisend in der Nähe des Fangplatzes und suche den Bereich gezielt ab. Im Winter befische ich gerne ein paar Seen. Bevor es auf einen See geht ist es wichtig die richtige Auswahl zu treffen. Seen die nicht tiefer sind als 11 – 12 m sind meine Favoriten. Hier kann ich auch in den tiefsten Ecken fischen ohne Angst haben zu müssen Zander zu verangeln. Die Trommelsucht und deren Symptome treten ab einer tiefe von 10m proportional häufiger auf als, in den Bereichen bis 10 m. In den Seen beginne ich auch an den Mündungen die häufig eine Tiefe um die 6 m aufweisen und fische mich systematisch durch den See in tiefere Regionen. Hat der See eine Struktur und Löcher kann man dort gezielt mit der Suche beginnen.

Minden:

DEN Vertikalspot gibt es meiner Meinung nach nicht. Man kann das ganze Jahr über vertikal fischen und zwar in Tiefen von einem Meter bis 12 Meter. Die Fische stehen über das Jahr verteilt aber teilweise an unterschiedlichen Stellen, demnach kann man jeder dieser Stellen auch vertikal befischen und die Stellen unterscheiden sich nicht groß, von der generellen Spotwahl.

 

Dennis:

Das kommt in erster Linie auf die Jahreszeit an. Aber im groben lässt sich sagen, dass es Stellen sind die anders sind. Es kann ein Stein sein der im See liegt, der sonst eher einer Badewanne gleicht. Oder es sind Scharkanten, Löcher, etc. die dem  Gewässer Struktur verleihen und sich vom Rest des Gewässers abheben. Hier wird man  Zander finden und fangen können.

 

Christoph:

 Spots sind das Kriterium Nummer 1, wenn es darum geht ob der Angler fängt oder nicht. Es ist schwierig alles aufzuzählen. Jahreszeiten, Temperaturen, Wassertrübung, Strömung und vieles mehr beeinflussen die Fische bei Ihren Raubzügen und nicht zu letzt die Beute, die sie zu jagen versuchen.

 

Gehen wir ein kleines Stückchen weiter. Wie unterschiedlich sind diese Kriterien in Sommer, Herbst und Winter?

Jigga:

Man kann sich das Verhalten der Zander wie einen Kreislauf vorstellen. Nach der Laichzeit im Mai sind viele Zander noch in den Mündungen und umliegenden Buhnen anzutreffen. Sie sind nach dem Laichgeschäft aus den Seen wieder in den Fluss gewandert. Jetzt sind wahre Sternstunden möglich, vorausgesetzt man hat die Zander gefunden. Im Laufe des Sommers verteilen sich die Fische immer mehr, und ziehen durch die Buhnenfelder auf der Suche nach Futter. Jetzt heißt es Strecke machen …das Befischen von 1 – 2 Mündungen und den umliegenden Buhnen reicht nun nicht mehr aus. Systematisch fische ich ganze Buhnenfelder ab, hier gerne diese, die in einer Außenkurve gelegen sind. Außenkurven haben mehr Strömungsdruck und mehr Sauerstoff. Je näher wir dem Herbst kommen, umso weniger kleine Zander attackieren unsere Köder. Die Durchschnittsgröße nimmt allmählich zu, die Menge an Fischen ab. Die Beisszeiten und die Tage werden kürzer und die Zander beginnen langsam aber sicher sich in die Nähe von Seen oder anderen Winterquartieren zu begeben bis irgendwann der Wechsel vom Flussfischen auf das Seefischen kommt. Ich schaue dabei meist auf die Wassertemperatur. Ab 10° C starte ich immer mal wieder einen Versuch im See bis die Bisse im See mehr werden. Das soll nicht bedeuten das im Winter nicht auch Zander in den Buhnen stehen. Es sind dann auch meist die besseren Exemplare, aber die Stückzahl ist im Vergleich zum See wesentlich geringer. Nach der Schonzeit beginnt der Kreislauf dann wieder von neuem.

 

Minden:

Je mehr Sommer desto mehr Fluss bzw. Strömung. Im Winter ziehen die Zander oft in die Seen um sich dort an den tiefen Stellen „hinzulegen“. Man kann zwar auch im Winter seine Flusszander fangen, allerdings fische ich im Sommer motivierter im Strom als im Winter. Ich finde allerdings das Flussangeln mit Strömung, Einfahrten, Buhnenfeldern und Co wesentlich spannender als das Stillwasserfischen, fangen tut man sowohl im See als auch im Fluss.

Dennis:

 Im Sommer ist es wichtig Spots zu finden wo sich das Wasser bewegt, wo die Fische viel Sauerstoff bekommen. Zudem sollte man sich im Sommer auf die flachen Bereiche in seinem Gewässer konzentrieren. Dort jagt der Zander nach Beutefischen, Fischbrut, etc.  Jetzt in größeren tiefen zu fischen würde weniger Fisch bringen. Im Winter ist es eher das Gegenteil, obwohl man hier auch noch Fische an Strömungskanten, etc. fangen kann. Der Stoffwechsel der Zander geht zurück und sie fressen nur noch das nötigste um möglichst viel Energie zu sparen. Die Zander ziehen sich in Bereiche zurück wo der Energieaufwand nicht mehr so hoch ist. Das können Seitenarme sein, Häfen, Löcher im Flussbett, etc.

 

Christoph:

Auch hierüber kann man ein Buch verfassen und würde trotzdem nicht alles beschreiben können. Es gibt Faustregeln: je kälter es ist, umso tiefer findet man Zander in einem See oder Fluss, das gleiche gilt für Lichtstärke. Je dunkler es ist oder je trüber das Wasser, desto flacher kann man sie fangen. Ich fing aber auch schon Zander im tiefsten Winter im 2 m tiefen Wasser beim schönen Sonnenschein.

 

Gibt es Unterschiede in der Auswahl des Spots bei Fluss- und Stauseeangelei? Welche und warum?

 

Jigga:

 Zu den Unterschieden kann ich leider nicht viel sagen. Ich befische ausschließlich die Niederländischen Flüsse und angeschlossenen Baggerseen. In Stauseen habe ich kaum Erfahrung. Im Caspe Stausee haben wir Zander zwischen den Olivenbäumen vertikal in Ufernähe, aber auch im Mittelwasser über 30 m tiefem Wasser beim Schleppen gefangen.

 

Minden:

 Gute Frage, nächste Frage (: Habe noch nie in einem Stausee gefischt.

 

Christoph:

 Da die meisten Flüsse nicht so tief sind wie die meisten Seen, findet man Zander im Fluss auch flacher. Dazu scheinen Flussfische aktiver zu sein und wechseln oft ihre Spots.

 

Auf welche Art und Weise bringt man das Boot zu dem Angelspot (gibt es eine richtige Art und Weise???) und wie sollte das Boot über der Stelle gehalten werden? Vielleicht 2-3 konkrete Beispiele?

Jigga:

 Ich nehme als Beispiel mal eine Mündung zu einem See. Ich starte an der Abdruckkante und lasse mich langsam mit der Strömung in Richtung Andruckkante treiben. Diese beiden Stellen befische ich ausgiebig indem ich mit dem Boot erst über der Ab-, dann über der Andruckkante kreise. Den Kurs halte ich mit dem E-Motor. Die Strecke zwischen An- und Abdruckkante bringt auch immer mal wieder Fisch, allerdings weniger als in der Nähe der Steinpackungen. Mittig zwischen den Buhnenköpfen geht noch eine Fahrrinne durch die Mündung in den See hinein. Hier ist ein weiterer interessanter Spot. Die Tiefe fällt hier von 3 – 4 auf ca. 6 m ab. Ich versuche vom flachen ins Tiefe zu fischen damit die Zander aus der Deckung zupacken können. Erst geht’s die Kante runter, dann befische ich kurz die Fahrrinne bevor es die Kante wieder rauf geht und wir weiter in Richtung Andruckkante treiben. Die Andruckkante und die Rinne entlang der Steinschüttung ist wieder ein sehr interessanter Bereich der ebenfalls ausgiebig befischt wird. Dann lasse ich mich durch die Drehströmung am Ufer entlang in Richtung „innere Strömungskante“ vom See treiben. Diese befindet sich manchmal sogar etwas im See drinnen, allerdings finden wir abgesehen von optischen Merkmalen auch wieder eine Kante von 5 auf 6-7 Meter. Dann wird hier gefischt. Das Ganze wiederhole ich ein paar mal und lasse mich so durch die Mündung im Kreis treiben bis ich rausgefunden habe wo die Zander heute stehen. Danach konzentriere ich mich auf die jeweilige Rinne oder Kante. Im Prinzip ist es egal wie man treibt, Hauptsache der Fisch ist da und will fressen. Ich habe mir diese Systematische Suche angewöhnt um einerseits keine interessanten Bereiche auszulassen, anderseits aber auch Strom für den E-Motor zu sparen. Gegen die Strömung anzukämpfen ist mühsam und es leidet der Bodenkontakt des Köders darunter. Habe ich im See ein Loch gefunden in dem die Zander stehen kommt es auf den Wind an wie ich weiter fische. Bei viel Wind lasse ich mich von der Kante wo das Loch beginnt in den tieferen Bereich treiben und verzögere mit dem E-Motor bis es wieder flacher wird. Da fische ich die Kante wieder hoch und dann wieder von vorne. Bei wenig Wind habe ich die Möglichkeit über dem Loch zu kreisen.

Minden:

Also man kann den Elektromotor entweder vorne oder hinten am Boot befestigen. Im Grunde genommen macht man aber nichts anders. Bspw. Heckmontage: im Fluss oder im See mit Wind kann man dann den Motor dazu verwenden, die Drift zu verlangsamen, das Heisst, das Heck steht im Wind bzw. in der Strömung und man gibt gegen die Strömung / den Wind Gas und verlangsamt so seine Drift ... Oder aber im Fluss oder im See nimmt man den Elektromotor zum sogenannten Backtrollen, das heisst man fährt rückwärts gegen den Wind bzw. gegen die Strömung und sucht so seinen Platz genau ab …Im Grunde genommen ist es beides dasselbe nur mit anderer „Absuchrichtung“. Die Schwierigkeit liegt beim Vertikalen auch darin, sein Boot vernünftig zu steuern bzw. die Stellen/Kanten/… gut abzufahren. Demnach ist die Bootskontrolle mit der man seine Spots absucht ein wesentlicher Faktor beim pimpeln …In einem großen Gewässer z.B. See ist es ohne GPS Echolot oft schwierig seine Stelle zu halten bzw. sich diese zu merken, wenn man eine schicken Spot gefunden hat kann man hier zur Hilfe einfach eine Markerboje werfen und verliert so den Spot nicht aus den Augen/aus der Drift.

Dennis:

Um an die Spots zu kommen wird der Außenborder genutzt, mit ihm sind schnelle Spotwechsel möglich. Einmal am Spot angekommen, wird dieser ausgemacht. Nun hilft uns der E-Motor weiter. Mit Hilfe von ihm können wir beliebig oft eine Unterwasserkante abdriften und uns vor allem an dieser halten. Ebenso ist es uns möglich mit Hilfe des E-Motors gezielt eine  Strömungskante zu befischen.

 

Christoph:

Wie man zum Spot kommt ist eher zweitrangig, solange man nicht schwimmen muss J Ansonsten kann man sagen, je großer das Boot und besser motorisiert, umso schöner und sicherer ist es. Das Boot am Spot zu halten ist das schwierigste beim Vertikalangeln und bedarf einiges an Erfahrung. Strömung und Wind machen es einem nicht leicht, daher muss der E-Motor auch richtig gewählt sein.

 

Sucht Ihr zuerst vertikal nach den Zandern oder fängt Ihr erst dann zu vertikalen an, wenn die Fische lokalisiert wurden?

 

Jigga:

An sich beginne ich direkt mit dem vertikalen …auch schon in Bereichen die mir selten als fängig aufgefallen sind. Als Beispiel, letzten Sommer habe ich  bereits in 1 m Wassertiefe mit dem vertikalen begonnen und Biss auf Biss gehabt. Den Tag standen die Zander vermehrt in 1 – 2 m Wassertiefe. Das hätte ich nicht bemerkt wenn ich nach Schema F vorgegangen wäre. Habe ich längere Zeit keinen Kontakt bekommen, werfe ich mit der Vertikalrute die Umgebung ab um zu testen ob die Fische im Moment mehr Aktion bevorzugen bzw. ob ich an den Zander vorher vorbeigefischt habe. Ist dies nicht der Fall fahre ich weiter zum nächsten Spot.

Minden:

Wenn ich an meinem auserwählten Spot ankomme  suche ich immer fischend …damit lokalisiere ich dann bestenfalls die Fische.

Dennis:

An den uns bekannten Gewässern  steuern wir meist die Bereiche an, an denen wir bereits mehrfach Fische gefangen haben. Hierbei orientieren wir uns vielmehr nach der Struktur am Grund, als nach den Sicheln auf dem Echolot.

 

Christoph:

Zu Beginn eines Angeltages hat man schon Vorstellungen wo und wie man fischen möchte. Dann werden die Räuber fischend gesucht.


Versucht Ihr die einzelnen, mit dem Echolot gefundenen, grossen Fische, gezielt zu beangeln? Funktioniert das überhaupt?

 

Jigga:

 Ich denke nicht das es sinnvoll ist gezielt Fische auf dem Lot zu befischen. Ich habe auch noch keinen kennen gelernt der behauptet, er könne anhand des Lotes die Fischart bestimmen …denn, was nützt es, einen ordentlichen Karpfen mit Vertikalködern verführen zu wollen LOL An klaren Sauerlandtalsperren hingegen, wo man meist die Futterfischschwärme sucht und darunter einzelne dicke Sicheln sieht, liegt der Verdacht nahe, das Hechte sich unter den Futterfischen aufhalten. Hier kann es Sinn machen große Einzelfische anzuwerfen. Ich habe so noch keinen Fisch gefangen. Wie gesagt, das Lot dient für mich nur zur Tiefen und Temperaturbestimmung.

 

Minden:

Versuche tu ich es immer und geklappt hat es auch schon mal  *LOL* Aber man weiss ja nie genau, was diese Sichel für ein Fisch ist. Sprich, bringt es nichts wenn ich bspw. einem großen Friedfisch 30 Minuten lang einen Gummi vor die Nase halte. Auch weiss man ja nie genau, steht die Sichel jetzt direkt unterm Boot, oder vielleicht 2 m links oder auch 2 m rechts daneben, …demnach verschwende ich nicht allzu viel Zeit in die Jagt nach dem „elektronischem Sichelfisch“ *LOL*

 

Dennis:

 Nein. Versucht haben wir dies aber schon viele male am Möhnesee. Bisher leider ohne Erfolg. Sicherlich wird es ausnahmen geben, aber ich vermute das sind und bleiben Ausnahmen.

 

Christoph:

Ja, es funktioniert aber nicht unbedingt bei großen Fischen. Oder anders gesagt man kann schlecht vom Echosignal auf die Größe des Fisches schließen. Wenn man interessante Sicheln gefunden hat, kann man sie auch befischen und manchen fängt man. Die meisten gefangenen Zander hat man aber vorher nicht gesehen.


Was macht Ihr, wenn die aktivsten Fische sich im Mittelwasser befinden? Beangelt Ihr sie vertikal oder wechselt Ihr auf eine andere Technik, z.B. Schleppen?

Jigga:

Also, Schleppen ist eine gute Möglichkeit ein Gewässer kennen zu lernen, aber auch nicht jedermanns Sache. Ich für meinen Teil habe letztes Jahr ein paar gute Erfahrungen mit Jerkbaits gemacht. Allerdings kann ich hier nicht sagen ob die Fische vom Grund hochgekommen sind oder im Mittelwasser geraubt haben. In den Dämmerungsphasen rauben die Zander häufig an der Oberfläche. Jetzt macht es Sinn mit Oberflächen nahen Ködern zu fischen. Wir haben gute Erfahrungen mit 15er Gummifischen und 10 – 12 cm langen schlanken Wobblern gemacht, die wir geworfen in der Nähe der Steinpackungen und Ufer angeboten haben. In diesen Situationen sind wir die Buhnenköpfe angefahren und haben den Gummifisch an der Oberfläche entlang der Steinpackung geführt. Das funktioniert auch sehr gut und sogar bis in die ersten Stunden der Dunkelheit hinein.

 

Minden:

Hatte das bei Barsche ab und an gemerkt dass sie gerne mal nicht direkt am Grund liegen. Ich hatte Drop Shot gefischt so ca. 1m über dem Grund, ein Kollege vertikal am Grund. Ich habe Bisse bekommen wie bekloppt, Kollege nicht einen. Nachdem er seinen Köder dann einfach einen Meter über den Grund angeboten hatte, klappte es auch bei ihm. Wenn man wirklich so was mal feststellt kann man mit Drop Shot gut weiterfischen …allerdings mehr als 1.5m über den Blei habe ich noch nicht „gedroppshottet“. Wenn sie wirklich im Mittelwasser sind, bei bspw. 8 m Gewässertiefe, gibt es bestimmt bessere Methoden als vertikal. Erlauben es die Umstände, sodass man den Köder auf dem Lot sieht, kann man es versuchen den Köder in entsprechender Tiefe zu halten, aber meistens sieht man den Köder nicht direkt auf dem Lot und hat dann das Problem, dass man nicht genau weiss auf welcher Tiefe sich der Köder jetzt befindet.

Dennis:

Jiggen. Dann wird die Vertikalrute an die Seite gelegt und die Jigrute kommt zum Einsatz.

 

Christoph:

Dann bevorzuge ich eine andere Technik, wie das Spinnfischen mit Wobblern.


Wie gross ist der Einfluss der Schnurstärke (Geflochtene) auf die Angeltiefe (mein Hausgewässer ist ein See mit Durchfluss und einer deutlichen Strömung)?

 

Jigga:

Das ist ganz entscheidend. Ich fische die 3,8 kg Stroft Schnur, geflochten und bin sehr zufrieden. Ein Kollege war mal mit auf dem Boot und hatte eine 8 kg Schnur drauf. Er hat bei einer Wassertiefe um die 7 Meter sehr weit hinterm Boot gefischt um überhaupt Grundkontakt halten zu können und musste deutlich mehr Blei nehmen. Platte Schnüre die nicht „rundgeflochten“ sind verstärken diesen „Segel-Effekt“.

 

Minden:

 Habe den direkten Vergleich noch nicht gemacht da meine Gewässer eh sehr flach sind. Die Seen die ich befische sind max. 9 m und die Flüsse im Schnitt 3 – 4 m „tief“. Demnach ist das kein großes Thema für mich und ich fahre mit meiner 6 kg Stroft sehr gut. Allgemein ist es natürlich so, je dicker die Schnur desto höher der Wasserwiderstand, desto mehr Gewicht braucht man um auch wirklich vertikal runterzukommen. Da man vom Boot auch meist keine großen Hindernisse hat, wo man die Fische strikt von fernhalten muss, werde ich bei der nächsten Rollenfüllung auf die 4 kg Variante wechseln.

 

Dennis:

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Je dicker die Schnur ist, desto größer ist der Druck des Wasser auf diese. Das heißt, wenn ich mit einer dicken Schnur fische, zum Beispiel eine 8 kg Schnur, werde ich mit dieser in einem See mit Unterströmung oder auf einem Fluss Probleme haben meine Köder Erfolgreich vertikal anbieten zu können. Die Schnur wird schnell von der Strömung erfasst und drückt diese mit sich. Dagegen würde man mit einer 4 kg Schnur deutlich weniger Probleme haben, da diese dem Wasserdruck nicht soviel Widerstand leistet wie die 8 kg Schnur. Somit kann ich auch wesentlich leichtere Jigköpfe fischen und bleibe vertikal unterm Boot.

 

Christoph:

Driftgeschwindigkeit, Strömung, Wassertiefe wirken auf die Schnur. Je dünner das Geflecht, umso mehr Gefühl bekomme ich für den Köder am Grund.

 

Sprechen wir kurz von Angeln auf tiefstehende Zander, Stichwort – Trommelsucht. Was macht Ihr um die Fische zurücklassen zu können? Spezielle Drilltechnik? Etwas anderes?

Jigga:

In meinen Augen sind Zander die tiefer als 12-13 m gefangen werden ein Fall für die Küche. Man hat kaum Möglichkeiten diese zu releasen. Es kann gut gehen, der Großteil der Zander wird bei dieser Angelei allerdings daran glauben müssen. Ich persönlich vermeide es tiefer als max. 12 m zu fischen um den Tieren die Trommelsuchtprobleme und einhergehenden Qualen zu ersparen. Ausserdem ist es kein schöner Anblick wenn der Magensack aus dem Zandermaul herausragt. Daher kommt es ja auch grade im Winter darauf an, Seen auszuwählen, die nicht so tief sind.


Minden:

 Heikles Thema. Was man dagegen macht, ganz einfach, man angeln nicht so tief!!!!! Wenn man im Winter Gewässer hat, die von mir aus 20 – 25 m tiefe Stellen aufweisen, dann würde ich einfach nicht in dem Gebiet fischen gehen sondern mir eins aussuchen, wo die max. Wassertiefe vielleicht „nur“ 12 – 13 m ist, wobei ich finde, selbst 12 m ist schon kritisch. Wenn ich auf über 9 m einen Fisch habe, drille ich den auch schon vorsichtig, also langsamer, aber auch dabei kann es vorkommen dass er Symptome der Trommelsucht aufweist. Es gibt viele Leute die behaupten, dass wenn man „langsam drillt oder die Fische einfach im Bogen zurück ins Wasser wirft“ ist das OK und unproblematisch. So etwas zu publizieren finde ich allerdings nicht richtig, denn genau diese Argumente nehmen die Leute im Winter um mit „beruhigtem“ Gewissen weiterhin auf Stellen von 14 – 30 m zu fischen und ihre Zander zu releasen. Wenn ich so was sehe, lese, höre wird mir immer ganz anders. Der Sinn beim Zurücksetzen ist nicht das man alle Fische nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ ins Wasser zurückwirft, sondern es sollte der Bestanderhaltung und Schonung dienen. Solche Leute schaden den Gewässern wohl mehr, als viele „Allesmitnehmer“ zusammen!!!

Dennis:

Erst gar nicht tiefer fischen als 10 – 11 m. Wir wählen unsere Wintergewässer so aus, dass diese gar nicht tiefer als 10 m sind. So minimiert man die Gefahr das ein Zander an Trommelsucht leidet am besten. Sicherlich kann immer etwas passieren, auch auf 8 m tiefe.

Ob ein langsames drillen oder eine spezielle Releasetechnik hier helfen kann, wag ich zu bezweifeln, denn ob es ein Zander geschafft hat oder nicht, können wir nicht überprüfen.

 

Christoph:

 Tiefes Wasser vermeiden! Auch wenn die Zander tiefer als 15 m stehen sollten, würde ich sie nicht befischen. Meine persönliche Grenze liegt bei 12 m.

Langsam drillen! Die Zander sollen die Möglichkeit bekommen sich an die geringer werdende Wassertiefen zu gewöhnen.

 Schnell releasen und auf gar keinen Fall zwischenlagern, z.B. im Lifewell

Köderfragen über Köderfragen. Welche Köder fischt Ihr
? Klassische Gummifische und/oder nur noch so genannte No Action Shads? Wie siehts mit den Jigs mit Haaren oder Federn aus? Habt Ihr auch Hardbaits wie Bill Lewis Original Rat-L-Trap, Salmo Zipper oder Chubby Darter versucht?

 

Jigga:

 Den Rat-L-Trap habe ich schon probiert, allerdings ohne Erfolg. Ich benutze zum Großteil no Action Shads, auch im Sommer. Hier und da bringt aber ein Schaufelschwanz an einigen Tagen die Wende … ich würde sagen zu 70% fische ich no Action Shads und 30 % normale Gummis, allerdings ebenfalls vertikal.

Minden:

 Ich fische vertikal bis jetzt nur Gummiköder, Federjigs und Hardbaits sind bestimmt auch nicht zu verachten, habe sie aber noch nicht getestet. Bei den Gummis nehme ich sowohl klassische Gummifische mit Schaufelschwanz, als auch no Action Köder. In letzter Zeit habe ich sogar fast lieber mit Schaufelschwanzgummis gefischt. Wenn die Strömung oder die Drift zu stark ist, muss man dann meistens gezwungenermassen mit den schlanken und wasserwiderstandarmen no Action Ködern fischen. Beide Gummiarten sind sehr gut vertikal zu fischen, beide Köder sind auch gut zu werfen.

Dennis:

Über die Wintermonate fische ich am meisten no Action Köder. Egal ob sie einen Gabelschwanz haben, oder einen pointed Tail. Mit diesen Ködern kann man, die sich kaum noch bewegenden Beutefische am besten imitieren. Die Köder werden im Zeitlupentempo geführt. Ganz langsam abgehoben, kurz über dem  Grund lass ich sie verharren, ehe ich sie ganz vorsichtig absetzte. Dagegen setzte ich im Sommer voll auf Action. Von Kopytos, Mann´s Shad, über Big Hammer´s, Sandra´s kommt alles an den Haken, Hauptsache es macht Radau und ist auffällig.

Christoph:

 Ich fische hauptsächlich no-action Shads von 12-18 cm Länge. Fin-S Fish von Lunker City gehören zu meinen Lieblingen. Aber auch kleine Pilker wie die MegaBait Live Jigs sind sehr gut für aktive Räuber.

 

Wie wählt Ihr die Köder und die Jigs in Bezug auf die Strömung? Hier geht es vor allem um grosse Flüsse, aber auch ein Stausee kann eine starke Strömung aufweisen. Wo sind die Unterschiede zwischen diesen Gewässern? Gibt es welche in Bezug auf die Jahreszeit oder sind nur die Strömung und die Tiefe entscheidend?

 

Jigga:

Hingegen vieler Pro´s fische ich fast ausschließlich 28 Gramm Köpfe um ewig Kontakt zu haben. Der Spruch“ So leicht wie möglich, so schwer wie nötig“ trifft bei mir nicht zu. Im Gegenteil. Ich versuche durch das hohe Bleigewicht die Zander zusätzlich zu reizen indem ich den Bleikopf hier und da auch mal stark auf dem Boden aufschlagen lasse. Staubwolken unter Wasser und ein lautes „Klock“ sind die Folge. Ich habe den Eindruck das die Zander vermehrt dadurch gereizt werden. Ein weiterer Vorteil des hohen Jig-Gewichtes ist der stets gegebene Köderkontakt. Ich spüre den Grund viel besser und habe weniger Hänger, bekomme mehr Bisse mit. Allerdings muss ich an einigen Tagen mit Kopfdrilling fischen wenn die Zander nur mäßig aggressiv sind und den Köder nicht komplett eingesaugt bekommen.

 

Minden:

Wie gesagt, zu Stauseen kann ich nichts sagen, aber wenn sie starke Strömung aufweisen, haben sie ja bereits gewisse Ähnlichkeiten zum Fluss. Wie geschrieben, fische ich beide arten Gummifische. Strömung (oder Driftgeschwindigkeit) und die Gewässertiefe sind für mich die Punkte die entscheidend sind bei der Gewichts- und auch Köderwahl, die Jahreszeiten interessieren mich dabei nicht (Jahreszeit beeinflusst bei mir eher die Köderführung). Je mehr Strömung und je tiefer, desto schwieriger wird das vertikale Fischen mit Schaufelschwanzfischen, da sie mehr Wasserwiderstand bieten. Köpfe wähle ich eigentlich immer sehr schwer, meine Lieblingsköpfe sind 21g 2/0 oder 3/0er Rundköpfe, fische aber oft auch 30 g. Besondern wenn man in einem Boot Beifahrer ist, muss man schwerer fischen da man nicht am Drehpunkt des E-Motors sitzt, demnach schwenkt das Boot auf der „Beifahrerseite“ beim lenken immer viel mehr aus als auf der Seite wo der E-Motor ist. Fazit, wer am E-Motor sitzt kann leichter fischen wenn er dann mag.

 

Dennis:

 In Gewässern mit großer und starker Strömung wähle ich meine Köder so aus, dass diese nicht als zu bullig, klobig und bauchig sind. Denn je größer wir hier die Köder wählen, desto schneller erfasst die Strömung diese. Deshalb wähle ich bei starker Strömung oftmals schlanke Köder aus. Aber auch hier spielt der Jigkopf eine Rolle. Würde ich die großen, bauchigen Köder Fischen wollen, müsste ich die gr des Jigkopfes wieder hoch setzten um noch einigermaßen vernünftig vertikal fischen zu können.

 

Christoph:

 Man muss den Jig der Ködergröße, Strömung, Drift und Tiefe anpassen. Im seichten Wasser kann man leichte Bleie verwenden und trotzdem guten Köderkontakt aufrecht erhalten. Im tiefen Wasser muss man das Bleigewicht erhöhen, kommt Strömung und Drift hinzu, multiplizieren sich die Gewichte, so dass man zum Teil mit 40 g Köpfen arbeiten muss.


Zu welcher Jahreszeit ist das vertikale Angeln am effektivsten? Verändern sich die Köder und die Köderführung in Abhängigkeit von der Jahreszeit?

 

Jigga:

 Ich finde das die Vertikalsaison bereits im Herbst beginnt. Der Winter bietet optimale Möglichkeiten um zu vertikalen. Die Fische haben sich gesammelt und stehen dicht bei einander. Im Sommer hingegen sind die Zander sehr verteilt. Mit der vertikalen Angelei machen wir weniger Strecke und fischen womöglich am Zander vorbei. Hier kann das Jiggen effektiver sein, allerdings entschädigen die knüppelharten Anbisse der Zander in geringer Tiefe mehr als genug. Auch im Sommer gab es Tage an denen die vertikale Köderpräsentation erfolgreicher war als das Abjiggen der Buhnen.

 

Minden:

Na ja, man sagt im Winter und da ist wohl auch was dran, denn zu der Jahreszeit sammeln sich die Fische an bestimmten Stellen und sind recht träge „unterwegs“ bzw. liegen nur am Grund rum und haben den Stoffwechsel auf „stand-by“ runtergefahren. Sie ziehen also nicht so stark umher wie im Sommer und man muss sie auch erst mal finden. Mit der Vertikalangel und dem absuchen mit Elektromotor hat man nun die Möglichkeit, den Köder genau dort zu platzieren und den Umständen entsprechend langsam und passiv zu präsentieren. Man hat demnach die Möglichkeit seinen Köder durchgehend in den fängigen Bereichen anzubieten und das – wenn es die Zander an dem Tag so mögen – fast ohne Aktion und Geschwindigkeit. Wie aber anfangs bereits angedeutet, fische ich nicht vertikal um möglichst effizient zu sein. Ich fische allg. gesehen bestimmte Methoden weil sie mir Spass machen, sei es der direkte und knallharte Biss beim vertikalen, die Oberflächenattacke beim Jerken oder auch der Biss beim normalen „Wurfzanderjiggen“.

Ich gehe nicht ans Wasser mit dem Ziel Fische mit nach Hause zu nehmen, sondern um einzelne Methoden und ihre Besonderheiten auskosten zu können. Demnach mache ich mir über Effektivität und die maximale Fangausbeute beim Angeln und Wahl der Methode keine Gedanken. Auch wenn ich mit einem eingeleierten Gummifisch vielleicht ab und an mehr Hechte fangen kann als mit einem oberflächen Jerkbait, mit geschlepptem Köder sicherer zum Fisch komme als aktiv geworfen, vielleicht zu bestimmten Zeiten werfend vom Boot mehr fangen würde als vertikal unterm Boot ... Jede einzelne Methode hat ihre Reize, wer mal Oberflächenfische gefangen hat, schöne Zanderbisse werfend mit Jigs kennt und wer mal in den Genuss gekommen ist, einen hammerharten Vertikalbiss der einen fast die Rute aus der Hand haut zu erleben, weiß wovon ich spreche *LOL*

Zum Thema Köderführung und Köder an sich: die Köderführung passe ich schon ein wenig der Jahreszeit an, sprich im Sommer gerne mal ein wenig aktiver und im Winter gerne mal absolut passiv. Das schöne am angeln aber ist, es gibt keine Regeln ohne Ausnahme, demnach kann es auch mal Tage geben, wo die Fische selbst im Winter mehr auf aktive und im Sommer auf passive Köderführung anspringen und das ist ja auch das schöne an der Angelei. Bei den Ködern fische ich im Sommer als auch im Winter eigentlich die selben.

 

Dennis:

 Im Winter – denn jetzt versammeln sich die Zander an markanten Stellen im Gewässer. Jetzt stehen sie dicht an dicht. Wenn man jetzt einen Zander gefangen hat, wird man an dieser Stelle sehr wahrscheinlich auch noch weitere fangen können. Die Köderführung ist jetzt eine ganz andere als noch im Sommer. Man hebt seinen Köder nur noch ganz langsam an und auch nur noch einige cm hoch, verharrt hier ganz ruhig und setzt den Köder anschließend ganz langsam wieder ab. Hat man im Sommer noch auf schnelle, aktive, Hüpfer gefangen, ist jetzt genau das Gegenteil fängig. Ebenso ist die Köderwahl eine andere als im Sommer. Im Winter hat die Stunde der No Action Köder geschlagen. Sie imitieren die Beutefische des Zanders nun am besten.

 

Christoph:

Ganz klar, in der kalten Jahreszeit vom Herbst bis zu Beginn der Schonzeit, wenn die Räuber eher tiefere Löcher und nicht das Mittel- und Flachwasser aufsuchen. Auch hierzu gibt es eine Faustregel: Je kälter desto weniger Bewegung bis zu gar keiner Köderbewegung.

 

Vertikalen und Zander ist klar ein Paar. Wie siehts mit dem Hecht aus? Kann man auf Hecht gezielt vertikal angeln? Wenn ja, mit welcher Ausrüstung und mit welchen Ködern?

 

Jigga:

 Das wird mit Sicherheit auch funktionieren, allerdings mit stärkerem Gerät. Hier und da sind auch beim Zanderangeln Hechte dabei, daher benutze ich auch immer ein Stahlvorfach. Für das gezielte Hechtangeln, denke ich, gibt es bessere Methoden.

Minden:

 Also ich habe schon viele Hechte vertikal gefangen aber wenn ich gezielt auf Hecht gehe, bevorzuge ich andere Methoden. Allerdings nehme ich beim Vertikalangeln immer ein Stahlvorfach, da wie gesagt auch Hechte gefangen werden und ein Zander stört sich überhaupt nicht an einem dünnen Stahlvorfach. Demnach kann ich immer wieder nur sagen, verwendet auch beim fischen auf Zander ein Stahlvorfach. Werde aber diese Jahr auch mal versuchen gezielter auf Hecht zu „vertikalen“, allerdings nur nebenbei und eher passiv, sprich ich habe mir vorgenommen beim Vertikalfischen auf Zander einfach mal eine tote Rute (einfach eine Rute in den Rutenhalter und ein Gummifisch dran) auf Hecht im Mittelwasser laufen zu lassen, Köder kommen die gleichen zum Einsatz wie beim Fischen auf Zander nur eine Nummer größer (:

 

Dennis:

 Ob es gezielt möglich ist … eher nicht. Der Hecht ist ein Augenjäger und in den meisten fällen werden wir unter dem Hecht hindurch angeln. Zufallsfänge gibt es immer wieder, deshalb ist es auch ganz wichtig immer mit einem Stahlvorfach zu fischen. Die Zander stört das jedenfalls nicht.

 

Christoph:

 Ich bin ein erfolgloser Hechtanglern beim Vertikalen. Hecht fange ich lieber viel aktiver mit BIGBAITS.

 

Jungs, vielen, vielen Dank! Es hat richtig Spass gemacht mit Euch zu plaudern. Und vielen Dank für die schönen Bilder. Tight lines und Petra Geil!

 

Kein Problem, bitte schön und Grüße!

Christoph, Minden, Dennis und Jigga.

 

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